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IBM Notes8: Ist das wirklich Fortschritt?

Ich komme auf die Dauer ja doch nicht drum herum, also lese ich im Midrange Magazin einen Artikel über Notes8. Der Artikel hat viele Screenshots, da kann man erstmal gucken und versuchen zu verstehen, was einem der Client so anbietet, bevor man den Artikel liest.

Für diesen Beitrag habe ich auch einen Screenshot bei IBM gefunden:


(Klicken zum vergrößern)

Was mir an den Screenshots spontan auffällt ist, wie überladen die Benutzeroberfläche ist.
Erst eine Menüzeile, dann eine Toolbar bzw. Reiter, dann eine weitere Toolbar, dann eine 4-panel-view, die innerhalb der panels wiederum Toolbars besitzt.
Ich habe den Eindruck, hier werden alle implementierten Funktionen auf einmal angeboten und dem Benutzer überlassen, sich eine auszusuchen. Ist es das, was Benutzer wirklich wollen?
Wie bereits in früheren Beiträgen gesagt, sind wir bei Innovation Gate seit einiger Zeit dabei, die "alten" Noteslösungen abzulösen. Dazu gehören auch Mail und Kalender.

Ich selbst benutze Apple Mail. Und Apple Calendar (iCal). Und iWorks. Und diverse andere Applikationen, die früher durch Notes abgedeckt waren.
Einzelne Anwendungen, die jeweil genau eine Funktion erfüllen. Der Mailclient verarbeitet Mails. Der Kalender-Client verwaltet Termine und Aufgaben, der Chatclient dient zum chatten ...
In jeder Anwendung fühlt man sich spontan zu hause. Man weiß, was man tun muß - braucht keine Handbücher und keine Schulung. Jedes Programm bietet eine optimale Sicht auf das, was es zu verarbeiten hat.

Ich frage mich heute, ob es wirklich erstrebenswert ist, in einer integrierten Oberfläche sämtliche Funktionen zu vereinen, die man im Büroalltag so brauchen könnte.
Seitdem ich kein Notes mehr verwende habe ich das Gefühl, mit vielen kleineren, gut aufeinander abgestimmten Anwendungen und Tools wesentlich produktiver zu sein, als mit so einem Anwendungskoloss wie Notes. Und: es mach einfach mehr Spaß mit diesen Tools zu arbeiten.

Das kann einfach nicht die Zukunft von Softwareanwendungen sein. Hier versucht IBM ein Konzept aus den 80gern am Leben zu halten - im Zeitalter von Web2.0, Mashups, User generated Content, social networks ... Das wird nicht gut gehen. Und ich möchte daran wirklich nicht (mehr) teilhaben.

IBM hat sich lange Zeit gelassen. Sie haben genügend Resourcen. Sie haben genügend Forscher. Hätten die nicht etwas kreativer sein können und etwas wirklich Neues produzieren können - statt einfach in Java zu wiederholen, was man von 25 Jahren in C gemacht hat?
Comments:

Dennis Ruddigkeit Wednesday, August 29, 2007 10:02 AM

Klingt ein bisschen nach einem Kindheitstrauma ;-)

Mal im ernst - ich hab das Gefühl, dass Sie Notes zu sehr als Mail, Kalendar und Chat Client betrachten und dies ist schlichtweg falsch.
Klar, Apple Mail funktioniert auch,
aber wie schauts denn da z.b. mit Verschlüsselung aus,
wie schaut das mit zentralem Management aus?
Können Sie mit iCal oder iWorks andere, speziell auf Ihr Unternehmen abgestimmte Applikationen erstellen/darstellen?
Kann Ihr Chat Client in Ihre Applikationen integriert werden?
Arbeiten Ihre vielen kleinen (und sicherlich auch nützlichen) Programme miteinander? (Können Sie z.B. eine Mail an eines Ihrer iWorks Dokumente schicken und einen von ihnen definierten Workflow damit anstossen?)

Dies sind nur ein paar wenige Beispiele wozu Notes ohne große Umwege fähig ist.

"Ich frage mich heute, ob es wirklich erstrebenswert ist....."
Ja, ist es, und Sie sie widersprechen sich selbst, wenn man genau hinsieht.
Sie sagen selbst, Sie arbeiten mit vielen kleinen Programmen, die aufeinander abgestimmt sind(sind sie das wirklich??). Ist dann nicht der nächste Schritt, diese kleinen Programme zusammenzuführen, da dies dann wesentlich produktiver und benutzerfreundlicher ist? - genau das versucht IBM - ok, man kann jetzt darüber streiten, ob man schon am Ziel ist, aber der Weg ist imho richtig.

Eric Bredtmann Wednesday, August 29, 2007 11:42 AM

Hallo Wolfgang,

stimme ich dir voll und ganz zu,
ich denke allein durch die technischen Gegebenheiten der Eclipse RCP möchte Big Blue mit allen Mitteln zeigen, welches Potential diese Plattform hat - und - überlädt sie bei dieser Aktion erst einmal vollkommen mit Funktionen...

In der Zukunft wird sich zeigen, ob Notes 8 wirklich seinen grossen Vorteil durch die zahlreichen Integrationsmöglichkeiten sowie LiveUpdate-Funktion und einem integriertem OpenOffice wirklich gegenüber Konkurrenzprodukten wie Outlook / Thunderbird ausspielen kann.

Also wenn ich mal von der Notes 8 - Beta 2 ausgehe, fehlt Notes 8 vor allem Geschwindigkeit.
Es kann ja wohl nicht sein, das man ein superschlanke Eclipse RCP inkl. SWT & JFace LIBs
(Bootstrap-Zeit ca. 4-5 Sek. auf aktuellem System) so dermassen aufgeblasen bekommt,
dass die Bootstrap Zeit mit Öffnen der Start-Perspektive auf dem gleichen System mal locker 40-50 Sek. dauert...wer will denn bitteschön so lange auf seinen Mail-Client warten?

Ich bin mal gespannt ob das Gold-Release nun in 10 Sek. am Start ist ;-)

Cheers,
Eric

Wolfgang Schmidetzki Wednesday, August 29, 2007 11:43 AM

Meine Intension war es nicht, mail, ichat, iworks, ... als Summe mit Notes zu vergleichen.
Es ist auch nicht meine Absicht, daß was Notes in Summe ausmacht, in Frage zu stellen.
Es geht mir vielmehr darum, in Frage zu stellen, ob die Art und Weise, mit der die vielen (sinnvollen) Notesfunktionen dem Benutzer präsentiert werden wirklich im Sinne der Benutzer ist und ob hier nicht neuere Konzepte zu einer besseren Produktivität geführt hätten.

In Diskussionen wie z. B. auch hier geht es immer recht schnell darum, ob apple mail besser ist als notes mail. Das ist aber gar nicht der Punkt.
Notes Mail ist schon OK. Ich habe das jahrelang verwendet und kann das beurteilen. Das Problem ist eben, daß ich zur Verwendung von Notesmail das gesamte Notes mit allen Komponenten auf einmal starten muß, nur um mal eben eine Mail zu lesen.

Notes ist wie LKW fahren. Man hat immer alles dabei, was man so brauchen könnte, aber man kommt nicht schnell voran und verbraucht mehr Sprit als man möchte und Spaß macht es auch nicht.

Wäre es nicht besser gewesen, Notes in kleinere ineinandergreifende Teile zu zerlegen?
Wäre es nicht besser, jedes Modul mit einem aufgabenorientierten Interface zu versehen, statt für alle Aufgaben das gleiche Interface zu verwenden? Immer die gleichen Ansichten, Toolbars, Forms, ... ? Eine Mailanwendung braucht nun einmal ein anderes Userinterface als eine CRM-Anwendung.

Christian Tillmanns Wednesday, August 29, 2007 12:11 PM

Meine Erfahrung aus Gesprächen mit Führungspersonen ist, dass die gerne die Cockpit View haben. Das heute Cockpits in Flugzeugen genau das Gegenteil von daurendem Informationsfluss sind, ist Nebensache. Die Cockpit View ist was sie mit Notes kriegen.
Wenn ich mit einem grossen Bildschirm mit Notes 8 arbeite, finde ich es noch nicht überladen. Mit einem kleinen relativ schnell. Aber dann kann ich das Zeugs ja wegklicken und aufräumen.
Warum das gleiche Interface? Weniger Schulung, bessere Interaktion ... dafür sprechen eigentlich viele Gründe. Wir wollen doch nicht in die Zeiten des dunklen Informatik-Mittelalters zurück fallen, wo "Best of Bread"-Strategien dieses schreckliche Sammelsurium an Applikationen produzierten, die alle anders waren. Man muss auch an die User denken, die nicht den ganzen Tag mit x Applikationen rumhantieren, sondern deren Hauptinteresse eben nicht der PC ist und denen macht man mit verschiedenen UI's und Bedienungskonzepten keine Freude.
Man muss IBM und Lotus auch zugute halten, dass sie uns eine Plattform gegeben haben, mit dem wir spielen können. Es ist noch gar nicht abzusehen, was für Applikationen wir da alles drauf packen. Wir stehen am Anfang eines Weges und keiner kann sagen, wo es hin geht mit dem UI Design. Mir macht es auf jeden Fall tierischen Spass mit Notes 8 zu arbeiten und habe keine Probleme mit dem UI. Es passt für mich optimal. Natürlich kann man Sachen verbessern und das wird auch passieren.

Axel Janssen Friday, August 31, 2007 09:22 AM

Ich kann diesen Vergleich mit Apple nicht ganz folgen.
Apple ist sicher für eine bestimmte Zielgruppe ein hervorragendes Produkt. Wenn ich für einen US Imobilieninvestment-Fond Anteile an eine ostdeutsche Landesbank verkaufen wollte, würde ich immer den Mac nehmen. Oder wenn ich IT Enterprise Architekt wäre, der sich seit Jahrzehnten aus technischen Diskussionen heraushält. Die Realität selbst spielt dann nicht so eine wichtige Rolle. Wichtiger ist, die ein bischen mehr rosa zeichnen zu können. Und dafür besitzt der Mac herrausragende Features.
Lotus Notes wird aber von zahlreichen Arbeitnehmern benutzt, die im Backoffice dafür sorgen, dass in der Realität die Dinge funktionieren. Dafür ist Interoperabilität und Integration in bestehende Infrastrukturen wichtiger. Und das zählt - neben dem Preis - nicht gerade zu den Stärken des Macs.
Die Eclipse Infrastruktur ist kein monolytisches Gebilde wie hier dargestellt. Es ist eine Art Rahmenwerk, in das sich bestehende kleinere und spezialisiertere Tools hervorragend unter einer recht dünnen Schicht verbinden und zusammenarbeiten lassen.

Wolfgang Schmidetzki Friday, August 31, 2007 10:19 AM

Ich wollte keinen Vergleich Apple/Notes. Es geht darum, ob man mit kleinen spezialisierte Anwendungen produktiver ist als mit einem Mega-Fat-Client. Apple-Anwendungen sind hier nur ein Beispiel. Ähnliche Werkzeuge gibt es (möglicherweise ;-)) auch für Windows-User.

> Die Eclipse Infrastruktur ist kein monolytisches Gebilde wie hier dargestellt. Es ist eine Art Rahmenwerk, in das sich bestehende kleinere und spezialisiertere Tools hervorragend unter einer recht dünnen Schicht verbinden und zusammenarbeiten lassen.

Mir ist schon klar, was Eclipse ist. Ich arbeite täglich damit. Diese "dünne Schicht" braucht 20-30 Sekunden zum Starten und nimmt 150 MB Speicher ein, bevor auch nur eines der darin enthaltenen Plugin benutzt wird (Mail nimmt 30 MB ein).
Ist schon OK, wenn man dann einige Stunden damit arbeitet. Aber um mal eben eine Mail zu lesen oder mit jemandem zu chatten ist das mindestens lästig.

Ich glaube aber was mich am meisten stört ist, daß es sich als ein Fenster auf meinem Bildschirm breit macht. Es ist einfach dafür gedacht, als einzige Anwendung auf dem Rechner zu laufen und diesen Raum möchte ich Notes nicht (mehr) geben.

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